10 Tage in Stille – so habe ich Vipassana erlebt

10 Tage habe ich geschwiegen. Auf dem Mont-Soleil im Jura gibt es ein Vipassanzentrum, wie es dies mittlerweile in vielen Ländern der gibt. Der zehntägige Meditationskurs (oder auch Schweigeretreat) ist streng, die Reise zu sich selbst intensiv, die Erfahrung spannend.

 

Mit dem Funiculaire fahre ich hoch von St.Imier auf den Mont-Soleil. Da begegnen mir schon die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Reden wir jetzt? Wir haben es nicht getan, haben alle unsere Taschen, Rucksäcke oder Koffer gepackt und sind dem «Vipassana»-Schild gefolgt. Hin zu einem grossen Haus, rundum gibt’s nichts ausser Windräder. Ich trete ein und habe nicht viel Ahnung, was mich erwartet. Irgendwo online habe ich den Tagesablauf gefunden, ich weiss, es wird streng. Bei der Registrierung erfahre ich, dass ich noch reden darf… Schon mal gut. So lerne ich noch meine Zimmergenossinnen kennen, wir dürfen uns sprachlich einigen, wie wir das Zimmer in der Nacht belüften. Wir sind alle nervös, auf jeden Fall die, die das zum ersten Mal machen. Nach der offiziellen Eröffnung gilt es dann die «Regeln» zu befolgen – also auch jegliche Art der Kommunikation mit den anderen Studierenden einzustellen. Es gibt zwei Möglichkeiten pro Tag, die Lehrperson zu befragen. Und eine Managerin ist auch da bei organisatorischen Fragen. Ansonsten gilt es, die Meditation zu lernen und dabei komplett bei sich zu bleiben.

 

Kaum erstaunlich: zuerst mal habe ich rebelliert

Die ersten Tage habe ich komplett rebelliert, habe ich gefragt, was ich hier eigentlich mache, wieso ich mir das antue. Es war für mich so absurd, mit so vielen Leuten in einem Raum zu sitzen, zu essen und dabei nicht zu kommunizieren. Trotzdem habe ich mich natürlich pflichtgewusst in den Meditationskurs reingegeben. Habe mich genervt, wenn meine Konzentration nicht da war und meinte, wie wohl alle anderen, dass ich die einzige bin, die das einfach nicht kann. Tja,die üblichen Gedanken kommen da halt, die man sonst auch so gerne ausblendet: der Vergleich mit anderen, wie man denn eigentlich mit sich selbst spricht, was man denn eigentlich von sich selbst hält und ja, Ablenkung ist nicht möglich. Kein Buch, kein Handy, alles ist im Schliessfach oder eben zuhause geblieben.

 

Und dann doch….

Etwa sechs Tage ging das so, bis neben der Rebellion bei mir auch mal die Erkenntnis und die Erfahrung kam, dass das alles gar nicht so falsch ist, was «der da vorne» erzählt. Aus der einen Meditationssession bin ich aufgestanden, komplett erleichtert, meine Verspannungen waren weg. Ich konnte es nicht glauben, dass so was passiert. Nur durchs Sitzen, Atmen und Beobachten kann sich körperlich so viel verändern. Das ist der Wahnsinn.

 

So war ich also mitten drin, habe gelernt, dass alles kommt und geht, nichts ist permanent. Anitschaa. Ich habe gelernt, wie sich Gefühle im Körper festsetzen und wie ich das alles beobachten kann. Und ja, es ist so verrückt wie es klingt. Es macht meiner Meinung nach erst Sinn, wenn man sich da mal reingiebt und es erlebt.

mont-soleil

Funiculaire auf den Mont-Soleil

Was ich im Alltag davon lerne

Nach diesen 10 Tagen komme ich immer wieder in Alltagssituationen, in denen ich in diese 10 Tage zurückversetzt werde, innehalte und beobachte. Nicht, dass ich das jetzt perfektioniert hätte, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Start again and again and again.

 

Ich bin dankbar für diese Erfahrung, für die Menschen, die ich treffen durfte (ja am letzten Tag wird das Schweigen gebrochen und der Erfahrungsaustausch geht los und hört nicht mehr auf. Es gibt soooo viel zu reden). Ich bin dankbar für ein Instrument, dass mich innehalten lässt. Ich bin dankbar dafür, mich ein Stück besser kennengelernt zu haben. Was für eine Reise, die nicht in die Ferne war, aber doch unvergesslich ist.

 

Wer mehr Wissen will, besucht die Webseite von der weltweiten Vipassana Meditation https://www.dhamma.org/de/index

 

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